Die Studien und Reflexionsparks sind Türen zur geistigen Welt des tiefsten Inneren.

In ihnen finden die Arbeiten der Schule statt, eine Gesamtheit von Studien und Praktiken, die es ermöglichen einen Kontakt mit inneren, tiefverborgenen Dimensionen zu erfahren.

Diese Tiefe kann weder durch die Sprache, noch durch die Raum-Zeit-Kategorie, in der wir zu leben glauben, erfasst werden. Trotzdem wird sie in besonderen Augenblicken erfassbar, zeigt sich oder bricht mittels Erlebnissen hervor, die unser Bewusstsein erschüttern und unser Leben auf entscheidende Weise verändern. In diesen Augenblicken erfahren wir das, was keinen Namen, aber dennoch Bedeutung hat, und zwar den Kontakt mit der unergründlichen Tiefe, in der der Raum unendlich und die Zeit ewig ist. Selbst wenn diese Erfahrungen sehr kurz sind, haben sie weitgehende Konsequenzen, da sie uns Sinn, Freude und Erfüllung spenden.

Von Alters her spüren wir Menschen die Richtung unseres Lebens und seine Endlichkeit. Wir fragen uns, woher wir kommen und wohin wir gehen, und wir erfahren die Suche nach den Bedeutungen, während wir gleichzeitig die Notwendigkeit spüren, den Schmerz und das Leiden zu überwinden. Und wann immer es dem Bewusstsein gelang, in die Tiefe des Geistes zu blicken, sind daraus inspirierte Antworten entsprungen und wurden große Kräfte freigesetzt. Die Verzückung der Verliebten, die Inspiration der Künstler und die Ekstase der Mystiker haben ihre gemeinsame Quelle in dieser Tiefe. Aus diesen Erfahrungen des „Heiligen" entstehen auch die großen religiösen und spirituellen Strömungen, die im Laufe der Geschichte gewachsen sind.

Verschiedene Personen, verschiedene Kulturen, haben in verschiedenen geschichtlichen Momenten die menschliche Innerlichkeit in unterschiedliche und gelegentlich auch entgegengesetzte poetische oder mythische Landschaften übersetzt. Dennoch haben sie alle ihren verborgenen Schwerpunkt in dieser Tiefe. Auf unserem Planeten, dessen Gesellschaften sich rasend schnell weltweit vernetzen, ist es eben diese erneuerte Erfahrung mit dem Transzendentalen, welche die gegenseitige Wertschätzung und spirituelle Begegnung zwischen den Völkern begünstigen kann.1 

Die Studien und Reflexionsparks sind Stätten der Begegnung und Ausstrahlung einer neuen Spiritualität, die jede Form der Gewalt und Diskriminierung ablehnt und die an diese heilige Dimension des menschlichen Geistes appelliert um Freiheit und Sinn zu entdecken. Jeder Mensch, unabhängig von seinen Glaubensvorstellungen, kann an diesem gefühlsbetonten, bewegenden und auf der Erfahrung beruhenden Weg teilhaben.

Für viele verwandeln sich diese Parks in Orte, die ein bedeutungsvolles Raum-Zeit-Gebilde übersetzen.

Es gibt Zonen des Geistes, die eine besondere Bedeutung innehaben, und wenn wir uns mit ihnen verbinden oder zu ihnen gelangen, werden wir innerlich tief ergriffen. Es sind Gebiete mit einer psychischen Ladung, die auf einer bestimmten Höhe und in einer bestimmten Tiefe des inneren Raumes liegen. So erzählen uns zum Beispiel viele Legenden von mythischen Städten, von Orten, in denen die tiefstgehendsten Bestrebungen leben. „Städte der Götter, zu denen zahlreiche Helden verschiedenster Völker gelangen wollten; Paradiese, in denen Götter und Menschen in ihrer ursprünglichen, verklärten Natur zusammenlebten".2

Jedes Volk besitzt seine Allegorien, und das könnte auch gar nicht anders sein, da sie Übersetzungen von nicht vorstellbaren Bedeutungen sind, die zu einer gegebenen Zeit aus dem Grundstoff der entsprechenden kulturellen Landschaft geformt wurden. 

Diese inneren Orte verbinden sich manchmal mit äußeren Orten oder stimmen mit ihnen überein, und so erlangen äußere Orte die Eigenschaft heiliger Orte, eben aufgrund der Bedeutung, die sie, gemäß der Kultur eines jeden Menschen, für uns haben. Deshalb pilgern wir dorthin, um die dort angesammelte psychische Ladung zu empfangen. Dort möchten wir besser werden, dort möchten wir eine tiefe Verbindung mit uns selbst und mit den anderen erfahren.

Die in allen fünf Kontinenten entstehenden Studien und Reflexionsparks sind ein Zeichen der Suche nach dem Heiligen und seinem Ausdruck; das heißt sie richten sich auf die besten Bestrebungen eines Menschen, der sich heute darauf vorbereitet, aus einem tiefen Schlaf zu erwachen.

Eine neue Zivilisation entsteht, die durch die Übersetzung dieser tiefen inneren Wirklichkeit ihren Ausdruck in der Welt haben wird.

Eduardo Gozalo

1. „In einigen Momenten der Geschichte erhebt sich ein Flehen, eine herzzerreißende Bitte Einzelner und ganzer Völker. Dann kommt aus dem tiefsten Inneren ein Signal. Hoffentlich wird dieses Signal in den Zeiten, die angebrochen sind, mit Güte übersetzt, hoffentlich wird es übersetzt, um Schmerz und Leiden zu überwinden. Weil hinter diesem Signal die Winde der großen Veränderung wehen".
Silo. Einweihung des Parks des Studiums und der Reflexion La Reja. 7. Mai 2005.

2. Silo: Die Erde menschlich machen. Der Innere Blick. XX. Die Innere Wirklichkeit, S. 36. M. Uzielli Verlag, 1997, 2. Auflage